Die Job-Logik

Die Job-Logik, oder die heutige Job-Logik?, lässt sich gut wiedergeben durch die Formel: Wenn das kantische Können zum Muss wird.

Das war es wohl, was Adorno meinte mit seinen Worten, dass es kein Richtiges im Falschen gibt.

Hat man Kant in ein Medium eingelassen?

Medium – Keith Haring, im Medium (Smartphone, Tinter/Papier, Computer, Bewußtsein, Mentales … oder eben Erwerbsarbeitsgesellschaft/Job) kann es dann tatsächlich zu etwas wie einer Singularität (Derrida) kommen, weil sich darin eine andere Realität findet als außerhalb des (betreffenden) Mediums. Die sonst Realität erzeugende Gesetzlichkeit, also die Regularität der Abläufe, kann verändert werden im Medium: je nachdem, welches Medium du wählst, hast du unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten.

Bei Keith Haring finden sich z. B. als Marker für Kausalität und zeitliche Verhältnisse eben kleine Striche um die bekannten tanzenden Figuren. Und wer wollte damit bestreiten, dass sie nicht tanzen und damit leben. In diesem Medium leben sie. (Oder schauen Sie sich mal die Zeichentrick-Serie Tom & Jerry und schauen Sie, wie dort Kausalität markiert ist?)

Natur ist ja genauso gut ein Medium, dass die Möglichkeit der Erfüllung der Selbstrealisierung (durch einen Job z. B.) einschränkt, also Ressourcen beinhaltet, die knapp sind.

Wie sind die obigen, etwas kryptischen, also verschlüsselten Bemerkungen gemeint?

– Nun, bei Kant taucht folgende Frage auf:

Ich gehe aus von der Kritik der reinen Vernunft, B 132 (Deduktion): „Das: Ich denke, muss alle meine Vorstellungen begleiten können […]“

Die Frage ist: Wann ist dies nicht mehr Fall? Wann ist also die notwendige Bedingung an jede bzw. an alle unserer Vorstellungen, nämlich die des Fallen-Könnens in das Ich denke nicht mehr erfüllt?

– Doch nur dann, wenn sich zwischen unsere Vorstellung und ihrer notwendigen Bedingung etwas schiebt. Etwas, was diese notwendige Bedingung, dieses Können, diese Möglichkeit, verhindert.

Stelle Dir die Beziehung von Vorstellung und notwendiger Bedingung vor wie ein Stein, den man fallen lässt. Wann verhinderst du denn, dass der Stein notwendigerweise fällt? – Na, ich verhindere z. B., dass der Stein so wie in der Luft fällt, wenn ich ihn z. B. im Wasser fallen lasse. Er fällt dann langsamer, kann wieder Auftrieb kriegen (so viel zum logisch statischen (gegenüber dem dynamischen) Verhältnis von Prämisse und Konklusion, siehe Wolffs/Tugendhats „Logisch-semantische Propädeutik“) oder er wird mit der Strömung mitgerissen.

Da hast du doch schon deine Verhinderung. Du sprichst von Luft und Wasser.

Wo finden denn Vorstellungen statt? – Doch in einem Medium, nämlich in deinem Bewußtsein, in deinem Geist.

Und dieses Bewußtsein ist an Ressourcen gebunden wie Aufmerksamkeit, Gesundheit, eine Umwelt (saubere Luft, trinkbares Wasser) usw.

Und selbst Kant brauchte Papier und Tinte, um die Kritik der reinen Vernunft abzufassen. Und das Medium Buch.

Wenn das Medium es nicht zulässt, weil es ein knappes Gut ist, das nicht unbegrenzt vorhanden ist – wie eben Jobs und Geld -, dann gibt es keine Rechtfertigung, keine apriori-Wissen, keine Logik – oder eben auch keine Kritik der reinen Vernunft.  

Denn die Frage ist doch: Den größeren Geistern dürfte die Vereinfachung der Philosophien in Rechtfertigungsbegriffen, wie sie u. a. hier vorgenommen wird, bekannt gewesen sein. Warum haben dann Kant, Hegel, Marx und viele andere unzählige dicke Bücher, teilweise in einer vollkommen unverständlichen oder gar neuen Sprache, geschrieben?, die dazu kaum jemand heutzutage systematisch erschöpfend bearbeiten kann?

– Sie dürften dies wohl vor allem wg. der Jobs, der Erwerbsarbeit wegen gemacht haben.

Um so wichtiger ist dann ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Ich glaube, dass man sich kaum ausmalen kann, welche Wirkungen dies mit sich brächte.

Die kantische Möglichkeit, das (in das Ich denke-Fallen-)Können, das eigentlich für jede Vorstellung eben als diese meine Vorstellung immer erfüllt sein muss, entpuppt sich angesichts der Knappheit des Mediums als etwas, das man erst erfüllen muss – quasi als eine Kontrolle über das Können -, wenn man dem Medium, wie z. B. dem Medium der Erwerbsarbeit (oder auch dem Medium Technik), angehören möchte.

Wenn Adorno sagt, dass es kein Richtiges im Falschen gibt, dann sagt er für mich auch, dass es mal einen anderen anderen Zustand gab, einen, in dem der Satz nicht galt.

Wenn Jobs, saubere Luft, Wasser, Geld etc. nicht unbegrenzt verfügbar sind und immer knapper werden, dann verändern sich halt Gegebenheiten und Lebenswege und was früher noch ganz normal schien, verhält sich heute ganz anders. (Da klingt das Thema des Generationenkonflikts durch: dazu empfehle ich den Vortrag „Wenn die Lösung das Problem ist“ (1987) von Paul Watzlawick.)

I can be what I want to singt z. B. Al Jarreau im Song „Boogie Down“ – ganz gemäß der kantischen Logikkonzeption, wonach wir es eben mit unseren begrifflichen Bestimmungen oder mit unseren Aussagen sind, die über die Dinge als ebendiese Dinge, für die wir sie bestimmen, entscheiden. Aber können Sie sich vorstellen, dass ein verhungerndes somalisches Kind singt I can be what I want to?

Ein Kommentar zu “Die Job-Logik

  1. Zeit und Raum als Medium?
    Dann würde Kant aber auch wieder greifen und es wären nicht-individuierbare Anschauungsformen des epistemischen Subjekts.
    Das ist wohl eine Art Paradox: Das Medium gebiert die Bestimmung, wonach Zeit und Raum Anschauungsformen sind; aber diese Bestimmung kann ihrerseits nur im Medium von Zeit und Raum erfolgen. Man kann dieses Verhältnis von Medium und kantischer Anschauungsform aber auch anders herum sehen. Es bleibt aber ein Zirkel.

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