Von Kant zu Hegel zu Marx

Hegel und Kant zum Selbstbewusstsein:

Kant, oder auch ein Rezept zum „Rausspringen“ aus einer Situation bzw. ein Rezept zur Konzentration:

Kant fragt sich: Was ist Zeit?
Bei der Beantwortung dieser Frage stößt er auf eine grundsätzliche Schwierigkeit: Wenn wir die Frage beantworten möchten, dann ist das ja selbst schon ein zeitlicher Vorgang. Eine Antwort auf die Frage ‚Was ist Zeit?‘ macht also sonst schon Gebrauch von der Zeit.
Daher können wir die Frage ‚Was ist Zeit?‘ nicht beantworten. Wir können also nicht definieren: Zeit ist ein Prozess z. B.
Nun ist die Zeit aber die ganze Zeit da.
Wenn wir nicht bestimmen können, was Zeit ist, dann ist die Zeit etwas, was uns bestimmt.
Sie ist demnach etwas, was uns in unserer Wahrnehmung und in unserem Denken bestimmt.

Irgendwer, vielleicht war es Kant selbst?, hat dafür eine schöne Metapher gefunden: die Zeit (und der Raum) ist die unabnehmbare Brille, die wir tragen.

Der folgende Punkt lässt sich verständlicher machen, wenn man anselle von Zeit die logische Konsequenz setzt. Denn mit Blick auf die Logik kann man, genauso wie bei der Zeit, sagen, dass man logische Konsequenz nicht individuieren kann.

Wollte man logische Konsequenz definieren, dann würde man z. B. definieren: Logische Konsequenz ist ein bestimmtes Verhältnis von Prämisse und Konklusion im Argument. Hier würde man aber logische Konsequenz bereits anwenden, denn der Begriff der Logischen Konsequenz würde ja in einen anderen Begriff, nämlich in den Begriff ‚ist ein bestimmes Verhältnis von Prämisse und Konklusion im Argument‘ fallen. Dabei stellte dann der Begriff ‚ist ein bestimmtes Verhältnis von Prämisse und Konklusion im Argument‘ die notwendige Bedingung des Begriffs ‚ist logische Konsequenz‘ dar. Und das heißt, dass aus dem Begriff ‚ist Logische Konsequenz‘ logisch der Begriff ‚ist ein bestimmtes Verhältnis von Prämisse und Konklusion‘ folgte (sofern man hier ein logisches Verhältnis der beiden Satzteile zugrundelegt, also der beiden Satzteile als Begriffe, vgl. meinen Blogeintrag zu Schopenhauer, dass die Zeit/Logik eine abgeleitete Zugangsweise zur Bedeutung sind). Kurz gesagt: unser Aufstellen des Verhältnisses der beiden Begriffe im Satz (oder im Urteil) ist selbst schon ein Verhältnis der logischen Konsequenz.

Bei der Auffasung von logischen Konsequenz als Brille unseres Denkens wird eines sichtbar. Nämlich, dass die Folgerungsbeziehung immer schon da sein muss und vor allem, dass die Folgerungsbeziehung immer schon eins sein muss. Oder: Wie Kant sich oft zu Beginn der jeweiligen dynamischen Grundsätze ausdrückt: Die Zeit ist nur eine Zeit. Es sozusagen nicht verschiedene Zeiten, die man individuieren könnte. Man kann es auch so ausdrücken: Logische Konsequenz oder Zeit ist immer schon abgelaufen. Sie liegt immer schon vollständig vor. Man kann ihr gar nicht mehr hinter her laufen. Wenn wir also durch die Brille der Zeit auf die Welt schauen, dann können wir uns im Grunde so viel Zeit nehmen, wie wir wollen. Denn dadurch, dass die immer schon vollständige Zeit unsere Brille ist, mit der wir die Welt wahrnehmen, fahren wir wie bei einem Acker die Schneisen in die Welt hinein. Wir können sozusagen gar nicht mehr zu spät sein, weil wir es selbst sind beim Bestimmen der Gegenstände, die festlegen, welche Vorgänge welchen Anteil an der gesamten Zeit, die wir haben – und das letztlich unsere Lebenszeit -, bekommen sollen. (Schließlich kann eine Bestimmung von Gegenständen unterschiedlich ausfallen: der eine gruppiert so, die andere so.)

Dazu müssen wir uns nur dieser subjektiven Bedingung der Zeit und das heißt im Grunde unseres Bewußtseins bewusst werden.

Nun zur Konzentration:

Der Gedanken, dass die Zeit/logische Konsequenz unsere unabnehmbare Brille ist, mit der wir die Welt sehen, braucht nun nur noch auf uns selbst angewendet zu werden.

Wo wir sonst dachten, dass es vielleicht etwas gibt, was uns als Menschen irgendwie besonders kennzeichnet, vielleicht irgendeine besondere Eigenschaft, die uns ausmacht, haben wir mit Kant nur noch die Einheit aller unserer Eigenschaften als das uns Kennzeichnende vor Augen.

Denn wenn ich sozusagen mich selbst anschaue mit der unabnehmbaren Brille der Zeit, dann wird aus der Art und Weise, wie ich mich anschaue, der Gegenstand meines Anschauens. Das heißt die Zeit, die ja, wie wir mit Rückgriff auf die logische Konsequenz sahen, eine Zeit sein muss, zum Gegenstand unseres Anschauens. Demgemäß müssen wir selbst eine Person, eine Einheit aller uns kennzeichnenden Eigenschaften ausmachen.

Mit Bezug auf die Konzentration heißt das, dass wir nicht mehr gefangen sind von einem bestimmten Ereignis z. B. oder dass nicht mehr ein bestimmtes Ding unsere Aufmerksamkeit fesselt, sondern dass unsere Aufmerksamkeit immer auf die Einheit unserer Wahrnehmung gerichtet ist – vorausgesetzt, man ist sich nach Kant der unabnehmbaren Brille der Zeit und das heißt auch, sich seines Bewußtseins bewusst.

In den Begriffen von Form und Inhalt: Nicht mehr ein bestimmter Inhalt ist entscheidend in Bezug auf mich oder meine Konzentration, sondern die Form meiner Wahrnehmung oder meines Bildes von mir selbst (nämlich ein Bild).

Es gibt dann mit Bezug auf die Ereignisse und deren Bedeutung auch nichts mehr zu ergründen in Bezug auf Deine Person, keine (große) Selbsterkenntnis, kein besonderes (inhaltliches) Merkmal/kein Wesen (das kommt , wenn man meinen Blogbeitrag zur Job-Logik zugrunde legt, erst wieder durch die Job-Logik, die selbst mit dieser Selbst-Ergründung noch Jobs kreiert).

to be continued … work in progress

Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft: B 131: Das „Ich denke“ muss alle meine Vorstellungen begleiten können […]: Das „Ich denke“ / the I think = die größte Menge, nur in der Möglichkeit / the most comprehensive set, but only in the possibility

Warum das „Ich denke“ in § 16 der Deduktion in der Kritik der reinen Vernunft:
Kants Kritik an Descartes:
Ich denke (oder zweifle), also bin ich,
Hinreichende Bedingung ist ja allerdings, dass ich das, also auch diese Aussage, denke bzw. deren Wahrheit durchdenke. Es ergibt sich also ein Regress, der, in einem Argument dargestellt, wie folgt aussieht:

Prämisse x: …
Prämisse 2: ‚Ich denke, also bin ich.‘ denke ich.‘ denke ich.
Prämisse 1: ‚Ich denke, also bin ich.‘ denke ich.
Konklusion: Ich denke, also bin ich.
Nein, falsch! Es soll doch die hinreichende Bedingung sein, das „Ich denke“ (oh, ein kleiner Detail-Fehler die ganze Zeit, mit ziemlichen Folgen allerdings!)

Als hinreichende Bedingung!:
Ich muss ja denken/Ich muss durchdenken/Dies denke ich/diesen Schluss denke ich, dass ich denke, also bin ich. (schließlich soll das Sein am ende des Regresses stehen.
Ich denke: Ich denke, also bin ich.
(Ich denke) -> (Ich denke -> also bin ich.)

Demnach, also wegen des drohenden Regresses des Denkens, kann es nicht das tatsächliche Denken/der tatsächliche Zugriff sein, das/der Realität generiert, sondern nach Kant nur das mögliche Denken oder das mögliche „Ich denke“/der mögliche Zugriff, der, als intentionaler Akt selbst ein logisches Verhältnis von (Zugriffs-)Aktivität (hinreichende, anthropologische Bedingung (irgendwer muss ja denken)) und gedachtem Inhalt bildet, als eben eine logische Konsequenz etablierend und damit als Abschluss der Menge selbst notwendigerweise für jeden Gegenstand als ebendieser Gegenstand (=ebendieser = Identität) immer vorliegen muss (sonst wäre der Gegenstand identitätsmäßig nichts, nein, halt, nichts für mich/mein Denken/mein Zugriff)
§ 16 der Deduktion auf B 131-132: „The I think must be able to accompany all my representations […]“
Mengentheoretisch: die Vorstellung „Ich denke“ = die (umfänglich) kleinste Menge/inhaltlich die größte Menge.

Zum Selbstbewußtsein:

B 132: „Ich nenne sie die reine Apperzeption, um sie von der empirischen zu unterscheiden, oder auch die ursprüngliche Apperzeption, weil sie dasjenige Selbstbewußtsein ist, was, indem es die Vorstellung Ich denke hervorbringt, die alle anderen muss begleiten können, und in allem Bewußtsein ein und dasselbe ist, von keiner weiter begleitet werden kann.“

(personales Selbstbewußtsein: B 132-133 „[…] weil sie sonst nicht durchgängig MIR angehören würden. Davor, allgemeines Selbstbewußtsein in Richtung Hegel: „[…] unter der sie allein in einem allgemeinen Selbstbewußtsein zusammenstehen können.“)

B 517: „Mögliche Erfahrung ist das, was unseren Begriffen allein Realität geben kann; ohne das ist aller Begriff nur Idee, ohne Wahrheit und Beziehung auf einen Gegenstand.“

„[…] Beziehung auf einen Gegenstand“: nur in der möglichen Erfahrung ist der Begriff (alle Mengenmitglieder). Oder: nur in der Möglichkeit/in der möglichen Erfahrung bezeichnet der Begriff (=innen) einen Gegenstand in der Welt (=außen)

Beispielsatz: Kants Kritik der reinen Vernunft (=KrV) ist ein Buch über Logik. Es ist danach nur die Möglichkeit des Fallens von Kants KrV (bzw. des Begriffs ‚ist Kants KrV‘) unter den Begriff ‚ist ein Buch über Logik‘. Es ist also nur ein mögliches Urteil oder die Möglichkeit eines Urteils, die Wahrheit verleiht. Oder: Es ist ein Urteil, welches die mögliche Unterordnung selbst thematisiert: Z. B. Kants KrV ist ein mögliches Buch über Logik.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel zum Selbstbewußtsein in der Phänomenologie des Geistes (Hamburg 1952). Im Abschnitt: „Das absolute Wissen“:

„Der Geist der offenbaren Religion hat sein Bewußtsein als solches noch nicht überwunden, oder, was dasselbe ist, sein wirkliches Selbstbewußtsein ist nicht der Gegenstand seines Bewußtseins; er selbst überhaupt und die in ihn sich unterscheidenden Momente fallen in das Vorstellen und in die Form der Gegenständlichkeit.“

„Der Inhalt des Vorstellens ist der absolute Geist; und es ist allein noch um das Aufheben dieser bloßen Form zu tun, oder vielmehr weil sie dem Bewußtsein als solchem angehört [vgl. Kant: „[…] Ich „denke“ muss alle meine Vorstellungen begleiten […]“] , muß ihre Wahrheit schon in den Gestaltungen desselben sich ergeben haben.“

Jeglicher Bewußtseinsinhalt (=Vorstellung = Anschauung oder Begriff nach Kant), muss, als ein solcher bestimmbarer Bewußtseinsinhalt, nach Kant, wenn er Beziehung auf einen Gegenstand (=Bezug auf Realität/Wahrheit) haben soll, von dem Ich denke begleitet werden können bzw. in die Vorstellung des „Ich denke“ fallen können. (bestimmbar = notwendig begleitet werden können von „Ich denke“; der Bewußtseinsinhalt muss ja über das Begriffswort/die Begriffsphrase, die ihn bezeichnet, individuierbar sein (Können=alle Mengenmitglieder des Begriffs)), d. h. die Beziehung des Bewußtseinsinhaltes auf einen Gegenstand außerhalb des Bewußtseins muss vorliegen.

Weil es sich bei allen Bewußtseinsinhalten nach Kant um bestimmBARE Bewußtseinsinhalte (=Begriff) handeln muss (oder: um bestimmte (distinkte) Bewußtseinsinhalte handeln können muss), ist das Wahrheitskriterium Kants, nämlich mögliche Erfahrung, immer schon realisiert/erfüllt bei allen Bewusstseininhalten als Bewußtseinsinhalten und zwar als meinen Bewußtseinsinhalten (die die Position im Satz einnehmen können: ist mein [Bewußtseinsinhalt X].

Man kann diese Kritik auch so ausdrücken, dass Kant mit der möglichen Erfahrung kein Wahrheitskriterium geliefert hat, da es ja immer schon erfüllt sein muss, denn das „Ich denke“ MUSS alle meine Vorstellungen begleiten können. Wenn die Möglichkeit also immer schon erfüllt muss, gibt es auch keine Wahrheit mehr.

Einschub einer Kritik: Man kann also im Grunde gar nicht mehr unterscheiden zwischen meinen Bewußtseinsinhalten und Bewußtseinsinhalten anderer Personen (und zwischen Bewußtseinsinhalten mit Gegenstandsbezug und solchen ohne), weil das Wahrheitskriterium nur von meinen Bewußtseinsinhalten/meinen Vorstellungen ausgeht und alles eben meine (möglichen) Bewußtseinsinhalte sind, sofern sie bestimmbar sind, also sofern sie Bewußtseinsinhalte sind bzw. als solche mittels Begriffsworten adressiert werden können. Man kommt gar nicht an ein anderes Bewußtsein ran; man ist konzeptionell gebunden an das eigene Bewußtsein. – Das meinte Hegel vielleicht mit Psychologismus gegenüber Kant (nach Darstellung Longuenesses))

Man kann nicht mehr unterscheiden zwischen Begriffsworten mit Wahrheitsbezug und solchen ohne. Nicht jeder Begriff bezeichnet oder referiert. Hegel lässt ja gegenüber Kant auch wieder die Rede von Unendlichkeit zu (ist eben kein Polizist der Begriffe à la einer stupiden 1:1 Zuordnung von Begriffswort und Gegenstand wie Kant mit seinem unbedingtem Referenzanspruch unserer Begriffe). Nach Kant: entweder ist ein Inhalt ein Begriff und referiert oder eine Idee [=problematischer Begriff] und referiert nicht, sondern ist nur erkenntnisleitend, weil systematisierend)

Da diese Möglichkeit nach Kant notwendigerweise realisiert ist bei allen [namentlich bekannten!] Bewußtseinsinhalten, gehört sie, um mit Hegel zu reden, dem Bewußtsein als solchem an. Dieses dem Bewußtsein Angehören, also die mit der Möglichkeit etablierte, notwendig zum Bewußtsein dazugehörende und deshalb stets realisierte (mögliche) Relation des Bewußtseinsinhaltes auf einen außerhalb dieses Bewußtseinsinhaltes liegenden Gegenstand, bezeichnet Hegel als Form des Bewußtseins.

Wenn also die Form des Vorstellens, also diese Form (des Bestimmbaren), dem Bewußtsein als solchem angehört, dann kann das, was uns bewusst wird (=die Gestaltungen des Bewußtseins), uns immer nur innerhalb dieser Form bewusst werden, nämlich als Gegenstand. (Siehe Kritik oben: nicht alle Begriffe referieren automatisch, du machst dich und deinen Bewußtseinsinhalt zum Zentrum.) Unser Bewußtsein muss uns demnach ebenfalls als Gegenstand erscheinen, erscheinen im kantischen Sinn (nämlich als Relation auf uns).

Wenn das Bewußtsein sich im Descartschen Sinn zu sich selbst wendet und aus dem Selbstbezug die Realität heraus gewinnen möchte, dann kann es nicht mehr sich selbst ein Gegenstand sein, weil dies eine Einschränkung Selbstbewußtseins wäre, sozusagen eine es einengende Gestalt.

Man vielleicht auch sagen: Das Selbstbewußtsein referiert, aber nicht im gegenständlichen Sinn auf etwas Festes, Bleibendes.

Weiter in der Phänomenologie:

„Diese Überwindung des Gegenstandes des Bewußtseins ist nicht als das Einseitige zu nehmen, daß er sich als in das Selbst zurückkehrend zeigte, sondern bestimmter so, daß er sowohl als solcher sich ihm als verschwindend darstellte, als noch vielmehr, daß die Entäußerung des Selbstbewußtseins es ist, welche die Dingheit setzt, und daß diese Entäußerung nicht nur negative, sondern positive Bedeutung, sie nicht nur für uns oder an sich, sondern für es selbst hat. Für es hat das Negative des Gegenstandes (=(Selbst-)Bewußtsein, absoluter Geist, siehe oben) oder dessen sich selbst Aufheben dadurch die positive Bedeutung, oder es weiß diese Nichtigkeit desselben dadurch dadurch einerseits, daß es sich selbst entäußert, – denn in dieser Entäußerung setzt es sich als Gegenstand, oder den Gegenstand um der untrennbaren Einheit des Fürsichseins willen als sich selbst. Andererseits liegt hierin zugleich dies andre Moment, daß es diese Entäußerung und Gegenständlichkeit ebensosehr auch aufgehoben und in sich zurückgenommen hat, also in seinem Anderssein als solchem bei sich ist.“

Der Gegenstand des Bewußtseins ist das (Selbst)bewußtsein.

Wie kann ich etwas entäußern, wie kann ich den Gegenstand des (Selbst-)Bewußtseins, nämlich mein (Selbst-)Bewußtsein, entäußern oder weggeben? Gegenstand des Bewußtseins ist ja jetzt das Selbstbewußtsein. Wie kann ich also die Form überwinden?

– Indem ich ihn/das (Selbst-)Bewußtsein nicht mehr zum Gegenstand meines Bewußtseins mache, mir also nicht mehr meiner selbst bewußt bin, nicht mehr bei mir bin, mich nicht mehr habe.

Hinreichend dafür, dass das Bewußtsein sich selbst zum Gegenstand macht, ist demnach, dass es sich selbst nicht zum Gegenstand macht. Erst in der Erfüllung dieser Bedingung macht es sich zum Gegenstand.

Es wollte aber die Form der Gegenständlichkeit überwinden: „Andererseits liegt hierin zugleich dies andre Moment, daß es diese Entäußerung und Gegenständlichkeit ebensosehr AUCH aufgehoben und in sich zurückgenommen hat, also in seinem Anderssein als solchem bei sich ist.“

Daher:

Bisher haben wir das logische Bedingungsgefüge: Bewußtsein (=Selbstbewußtsein) macht sich selbst nicht zum Gegenstand -> Bewußtsein macht sich selbst zum Gegenstand. (=Wenn sich das Bewußtsein selbst nicht zum Gegenstand macht, dann macht sich das Bewußtsein selbst zum Gegenstand.) 

In dieser logischen Relation des Aufhebens liegt das Selbstbewußtsein (weil eben keine Form).

Nun muss auch dieser durch die Relation des Aufhebens hergestellte Gegenstand oder dieses Gegenständliche, das nur in dieser logischen Relation (Kant lässt methodisch grüßen) der beiden Aussagen liegt, getilgt werden durch die Verneinung dieser Relation: 

( Nicht: (Bewußtsein macht sich selbst nicht zum Gegenstand -> Bewußtsein macht sich selbst zum Gegenstand.) ) -> (Bewußtsein macht sich selbst nicht zum Gegenstand -> Bewußtsein macht sich selbst zum Gegenstand.)

Oder einfacher: da die Implikation nur falsch ist, wenn der Nachsatz („Bewußtsein macht sich selbst zum Gegenstand.“) falsch ist: (Bewußtsein macht sich selbst nicht zum Gegenstand.) -> (Bewußtsein macht sich selbst nicht zum Gegenstand -> Bewußtsein macht sich selbst zum Gegenstand.)

(Bewußtsein macht sich selbst nicht zum Gegenstand.) ist nun die Aufhebung des Nachsatzes des logischen Bedingungsgefüges, nämlich: Bewußtsein macht sich selbst zum Gegenstand, damit also die Aufhebung der logischen Konsequenz der ersten Aufhebung.

Hegel überwindet damit im Logischen die notwendige Bedingung und damit die logische Konsequenz.

Aber was hat es nun mit der Wendung Hegels auf sich, dass das Selbstbewußtsein bei der zweiten Aufhebung „in seinem Anderssein als solchem bei sich ist“?

Begriff-Sein bedeutet im Logischen, dass alle Mengenmitglieder vorliegen. Ausgehend vom epistemischen Begründungsproblem, also wenn wir am Ende des Argumentes stehen, liegen alle Mengenmitglieder mit der Etablierung der logischen Konsequenz vor, die ihren Weg eben von oben nach unten bzw. von der ersten Prämisse zur Konklusion nimmt. Wenn also logische Konsequenz, wie z. B. Kant in der Möglichkeit, etabliert wird, dann liegt die Identität eines Begriffes vor – dann haben wir sozusagen feste Grenzen, was die Mengenmitglieder dieses Begriffes angeht und wissen, was welche Mengenmitglieder oder Eigenschaften dazugehören und welche nicht.

Zu Hegel: Wenn Hegel die logische Konsequenz nun auch überwindet, dann überwindet er auch die Identität des Begriffs – daher das Anderssein des Selbstbewußtseins bzw. des Begriffs.

Da Hegel die Form, die im Gegenstandsbezug unseres begrifflichen Wissens liegt (logische Konsequenz etabliert Wissen um alle Mengenmitglieder und damit das Wissen der Anwendung von Begriffen auf Dinge in der Welt), überwinden wollte, hat er dies nun geschafft mit der Überwindung der Identität des Begriffs und er kann sagen, dass das Selbst eines Begriffs oder des Selbstbewußtseins eben nur in seinem Anderssein für sich selbst vorliegt. (Es heißt hier „für sich“, da das Anderssein, also die Überwindung der Identität, ja von der Identität des Begriffs ausgeht. Das Anderssein ist also ein Anderssein für die Identität des Begriffs oder eben für ihn selbst.)

Mit der Überwindung der Identität wird Wahrheit damit nicht mehr überzeitlich, als ein feststehendes Allgemeines außerhalb der Zeit gedacht, sondern Wahrheit wird selbst zeitlich, eben als Vollzug des Geistes.

Weiter mit Hegel:

„Dies ist die Bewegung des Bewußtseins, und dieses ist darin die Totalität seiner Momente. – Es muss sich ebenso zu dem Gegenstande (=Selbstbewußtsein, C) nach der Totalität seiner Bestimmungen verhalten, und ihn nach jeder derselben so erfaßt haben.“

Es heißt hier: „erfasst haben…“, also Vergangenheit

Und der letzte Satz der Passage:

„Diese Totalität seiner Bestimmungen macht ihn an sich zum geistigen Wesen, und für das Bewußtsein wird er dies in Wahrheit durch das Auffassen einer jeden einzelnen derselben [=Bestimmungen, C.] als des Selbsts, oder durch das eben genannte geistige Verhalten zu ihnen.“

„Als des selbst…“

Die Menge ist demnach schon da.

Mit der zweiten Aufhebung, also mit der Aufhebung der Identität (siehe oben), wird die kantische Brille der Logik überwunden. Wo wir bei Kant mit der Brille der Logik umherliefen und die Dinge durch die uns inhärente Logik bestimmten, wird die Logik nun unabhängig von uns. Jedenfalls müssen wir sie so interpretieren, wenn wir weiterhin am Ganzen orientiert sind.

Die Menge/die Bedeutung sucht sich quasi ihre Erkenntnissubjekte.

Deshalb auch Hegels elitäre Konzeption von Philosophie gegenüber Kants anti-elitärer Konzeption (Niederschlag in der Pädagogik, siehe Blog-Beitrag zur Corona-Politik).

Um mit Kant zu reden: Die Zeit ist keine Brille mehr durch die wir schauen. Nicht wir haben die Zeit als Bedingung der Erkenntnis, sondern die Zeit hat uns als Bedingung der Erkenntnis.

Da sich die Menge/das Allgemeine/die Bedeutung ihre Erkenntnissubjekte sucht, kann Hegel deshalb auch sagen, dass Philosophie, also Bedeutung schlechthin, ihre Zeit in Gedanken erfasst sei.

Es ist ja schließlich nur diese Aufhebungsbewegung, also der zeitliche Vollzug dieser Aufhebungsbewegungen, der das Ganze und damit die Bedeutung ausmacht.

Dadurch verliert der Begriff auch seine Bezeichnungsfunktion, nämlich seine Funktion, sich auf einen Gegenstand in der Welt zu beziehen. Hier schließe ich mich der Deutung von Beatrice Longuenesse an, wie sie in ihrem Text „Transcendental and Dialectical Logic: A Critique of all Dogmatic Metaphysics“, in ihrem Buch Hegel‘s Critique of Metaphysics von 2007, festgehalten ist. Wo Kant noch die Unterscheidung in ein Innen und Außen kannte, hebt dies Hegel auf und lässt, gegenüber Kant, beispielsweise auch die Rede von Unendlichkeit wieder zu.

Um die Hegelsche Wendung besser zu verstehen: Indem ich die zweite Aufhebung (siehe oben) durchziehe, also die notwendige Bedingung überwinde, lasse ich den Bewußtseinsinhalt sozusagen gedanklich laufen. Ich objektiviere ihn.

Ich stehe oder mein Bewußtsein steht in keiner Logik (verstanden als logische Konsequenz (=ohne notwendige Bedingung eben keine logische Konsequenz)) mehr zu ihm und ich bin daher nicht mehr von dem Bewußtseinsinhalt gefangen.

Es ist also nicht mehr das Allgemeine, sondern das Besondere, die Zeit bzw. der zeitliche Verlauf, der Wahrheit verspricht oder bedeutet.

Es gibt da keine Logik mehr, nach der ich z. B. etwas erkenne und dann im Nachhinein zu mir sage: Aha, deswegen also. Deswegen habe ich dieses und jenes erkannt, weil eben dieses und jenes später eingetreten ist, als ob alles gewissermaßen einem großen Plan folgen würde. Die Sinnsuche entfällt. Im Grunde gibt es gar keine Wahrheit mehr.

Marx:

Marx stellt Hegel von den Füßen auf den Kopf:

Die Aufhebungsbewegungen Hegels sind nicht mehr hinreichende Bedingungen, sondern notwendige Bedingungen.

Das heißt, die Aufhebungsbewegungen sind also schon erfüllt mit der Bestimmung von etwas als etwas.

Es ist nicht mehr die Bestimmung, hier stellvertretend für den Geist oder für irgendeine menschliche geistige Tätigkeit oder, wie bei Hegel: für den tätigen Weltgeist (der sich unserem Bewußtsein als Werkzeug bedient), die etwas mit der Wahrheit unserer Aussagen oder mit der Identität/Nichtidentität unserer Begriffe zu tun hat, sondern die Bestimmung oder Geist ist nur Ausdruck von etwas anderem, einer anderen Bewegung, die aber immer schon da ist mit der Bestimmung, nämlich der antagonistischen, also widersprüchlichen Bewegung der Materie.

Wie Marx auch oft zitiert wird: Das Sein bestimmt das Bewußtsein.  

Philosophie und alle Bestimmungen, alle Begriffe und Bedeutung sind nur der Überbau der tätigen Materie.

In einem Kugelschreiber, wie z. B. Oskar Negt als Interviewpartner von Hrn. Kluge in einem Videobeitrag zu der philosophischen Frage nach dem Sein sagt, findet sich demnach die ganze Widersprüchlichkeit des Seins vor.

Dies wird deutlich, wenn man sich die marxsche Umkehrung logisch in Form eines Argumentes ansieht:

1. p (Etwas wird behauptet oder bestimmt, als Sachverhalt hingestellt z. B. Kants KrV ist ein Buch über Logik.)

2. Non-p (1. Aufhebung)  

3. Not: p -> non-p  = p (2. Aufhebung)

4. Not: p -> (Not: p -> non-p) = non-p

5. Not: p -> (Not: p -> (Not: p -> non-p)) = p , da

Zur Erläuterung von 5.:

Warum ist 5. = p.

Wir beginnen z. B. mit p -> non-p:

p -> non-p ist nur falsch (wir wollen ja im Hegelschen Sinn aufheben), wenn non-p falsch ist, also wenn die Umkehrung von non-p, nämlich p gilt. Dies ist aber, wenn man dies logisch-formal weiter bestimmt, nur die Wiederholung von 1.

Die Formel Not: p -> non-p schiebt bloß ein Not vor die Formel p -> non-p. Dementsprechend ist die Formel (Not: p -> non-p) im Aufhebungssinn nur falsch wenn non-p gilt. Dies ist, wenn man die Formel logisch-formal bestimmt, die Wiederholung von 2.

Zu p -> (Not: p -> non-p): Diese Formel ist nur falsch wenn der Nachsatz (das Consequens), also (Not: p -> non-p), falsch ist, das heißt, wenn (Not: p -> non-p) umgekehrt wird und damit wieder p gilt. 

Not: p -> (Not: p -> non-p) schiebt wie bei 2. bloß ein Not vor die Formel p -> (Not: p -> non-p). Dementsprechend ist die ganze Formel Not: p -> (Not: p -> non-p) nur falsch, wenn non-p gilt.

Usw.

Da es sich um notwendige Bedingungen der Bestimmung p handelt, die also mit der Behauptung p erfüllt sind, muss die mit p verbundene, logisch-antagonistische, also gegenteilige Bewegung von p und non-p als vollendet bzw. als geschlossen angesehen werden – allerdings kann von unserem Standpunkt nicht geklärt werden wie die Vollendung aussieht. Was wir nur wissen oder wessen wir uns bewusst sind, ist, dass es sich logisch-formal um einen nie endenden Widerstreit von p und non-p handelt.   

Wird nun p, also die Behauptung, dass etwas der Fall ist oder ein Sachverhalt besteht, als das Verhältnis eines Begriffs und seiner Mengenmitglieder (=vormals die Prämissen für p im Argument) aufgefasst, dann ist der Begriff nur der Ausdruck einer konstanten logisch-formalen Entgegensetzung seiner Mengenmitglieder. Inhaltlich mag die Verneinung ausfallen, wie sie wolle: z. B. kann 2. ausbuchstabiert heißen: Kants KrV ist kein Buch über Logik, sondern ein Foto, wohingegen 4. inhaltlich wiederum etwas anderes heißen kann.

In Anlehnung an Kant: Die Verdinglichung (=Kommodifizierung) der Begriffe, dass also der Begriff ‚ist ein Buch über Logik‘ tatsächlich etwas Dingliches oder Gegenständliches ist, ist unsere Brille der Bestimmung, ist sozusagen nur der Überbau. Tatsächlich besteht der Begriff nur aus einem schier endlosen Widerstreit seiner Mengenmitglieder.

Gibt es demnach nach Marx keine Wahrheit mehr? Kann man nicht mehr vom Begriff oder von allen Mengenmitgliedern reden?

Hier möchte ich mich der Deutung John Holloways anschließen, wie sie in seinem Essay „Das Kapital, Teil 9. Ganz am Anfang beginnen“ festgehalten ist. Der Essay wurde im Deutschlandradio veröffentlicht und aus dem Englischen übersetzt von Lars Stubbe. Vom Deutschlandradio wurde er, was die Autorschaft Holloways angeht, auf den 02.04.2017 datiert. Er kann immer noch über das Internet eingesehen werden.

Um die obige Frage nach der Wahrheit mit Bezug auf den Essay von Holloway besser zu verstehen, kann der Einwand, den Marx gegenüber Hegel macht, auch so gefasst werden:  

Wenn wir den von Hegel gegenüber Kant vorgetragenen Psychologismus vermeiden und überwinden wollen (nach der Deutung von Beatrice Longuenesse in „Transcendental and Dialectical Logic: A Critique of all Dogmatic Metaphysics“, siehe oben), also die Auffassung vom Begriff überwinden wollen, wonach dieser nur an die eigenen Vorstellungen (=Begriff + Anschauungen) geknüpft ist, dann müssen wir auch die Auffassung Hegels überwinden, dass es so etwas wie einen feststehenden, wenn auch allumfassenden Begriff gibt. Von Marx‘ Standpunkt aus ist dies nur eine Verdinglichung. In diesem Sinne kann Marx‘ auch als Fortführung Kants verstanden. 

Um auf Holloway zurück zu kommen:

Holloway führt in seinem Essay an, dass im Kommunistischen Manifest behauptet wird, dass die Geschichte der verschiedenen Gesellschaften die Geschichte von Klassenkämpfen sei. Im Kapital dagegen, so Holloway, liefert die Analyse der kapitalistischen Gesellschaft keine Darstellung von Klassenkämpfen, sondern die Analyse zeigt, dass sich der Kapitalismus anhand gewisser Entwicklungsgesetze vollzieht oder dass der Kapitalismus anhand gewisser gesetzesartiger Strukturen in seiner geschichtlichen Entwicklung beschrieben werden kann.

Holloway zieht aus dieser scheinbar widersprüchlichen Situation den richtigen Schluss, nämlich dass die Darstellung der Entwicklungsgesetze selbst Klassenkampf ist und damit selbst die Revolution einläutet.

Wie ist dies in logischen Begriffen zu verstehen?

Wir hatten oben festgestellt, dass von unserem Standpunkt nicht geklärt werden kann, wie das Ende der notwendigen Bedingungskette aussieht. Gemäß der Marxschen Theorie müsste das Ende und damit alle Mengenmitglieder, also der Begriff, ja in der Utopie einer klassenlosen Gesellschaft bestehen.

Wir hatten gesagt: Was wir nur wissen oder wessen wir uns bewusst sind, ist, dass es sich um einen nie endenden Widerstreit von p und non-p handelt.   

Und hier dürften wir auch schon die Auflösung finden, wie Marx Wahrheit und den Begriff fasst: Es ist nach ihm allein das Bewußtsein, und zwar das Bewußtsein um die Widersprüchlichkeit der Bestimmung, das den Begriff auszeichnet.

Es ist die Subjektivität, also das subjektive Empfinden selbst, dass sich eben gegen eine Verdinglichung sperrt und damit keine Ware sein kann.

Logisch-formal ist dies dadurch motiviert, dass wir ja schon im Vorhinein wissen, also ohne die notwendige Bedingungskette zu durchlaufen, dass sich p und non-p immer wieder abwechseln und nur in diesem Widerstreit sich die Aufhebungen vollziehen.

Es ist also demnach, um auf Holloway zurück zu kommen, allein die Darstellung, also das Bewußtsein der Entwicklungsgesetze des Kapitalismus, die das Ende der notwendigen Bedingungskette bedeutet, nämlich gerade weil die Darstellung das Bewußtsein der Widersprüchlichkeit des Kapitalismus bedeutet bzw. den Begriff des Kapitalismus in seiner Widersprüchlichkeit bewusst macht.

Es ist also das Bewußtsein um die Prozesse oder um die Entwicklungsgesetze der kapitalistischen Gesellschaften, was selbst Klassenkampf ist, was sich eben nicht kommodifizieren lässt.

Das Bewußtsein ist also Widerstand oder Klassenkampf.

Adorno ist dieser Konzeption sehr nah, wenn er an einer Stelle in Bezug auf Auschwitz und die menschliche Kälte formuliert, dass es nur die Einsicht in die Bedingungen der Kälte ist, die wirklich hilft und von der aus die Utopie, nämlich dass die Wirklichkeit auch anders aussehen kann, wirksam wird.

Die objektive Bedeutung unserer Begriffe, so könnte man formulieren, besteht demnach im Bewußtsein, dass diese scheinbar wohldefinierten Begriffe Teil eines Aushandlungsprozesses sind, bei dem widerstreitende Parteien beteiligt sind.

Wie Erich Fromm in einem Videobeitrag zum angepaßten Menschen bei Youtube Marx zitiert: „Die Geschichte tut gar nichts, sie kämpft keine Kämpfe und sie gewinnt keine Schlachten. Es ist der Mensch, der alles macht.“

Mit jeder Begriffsverwendung legen wir aufs Neue fest, was die Begriffe heißen oder bedeuten sollen.   

5 Kommentare zu „Von Kant zu Hegel zu Marx

  1. Von seiten eines Bedingungslosen Grundeinkommens, das mit der Philosophie Kants in Zusammenhang gebracht werden kann und das als ein wichtiger Schritt in Sachen Freiheit aufgefasst werden kann (Staatsbürgerschaft und Ähnliches wäre dann im Weiteren mit Hegel zu überwinden), erscheint Marx so, als wollte er den Widerspruch im Begriff und in den Dingen zu einer natürlichen, gottgegebenen Sache machen.
    Es sieht so aus, als ob Marx nicht die Fantasie hatte, sich ein Bedingungsloses Grundeinkommen vorzustellen – stattdessen hing er am Widerspruch der Ausgebeuteten und Ausbeuter. (Naja, wenn das Sein das Bewußtsein bestimmt, dann ist dies bestimmt nicht das Sein der Möglichkeit, sondern wohl eher das Sein der Wirklichkeit.)

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  2. Du beschreibst Hegels Konzeption teilweise so als würdest du tatsächlich etwas tun müssen, um zum Ganzen durchzudringen.
    Dabei ist es in der Phänomenologie des Geistes genauso wie in der Kritik der reinen Vernunft: bevor sich das Bewußtsein oder der Geist dem Gegenstand zuwendet, gibt es Bedingungen für das Bewußtsein oder den Geist, die es erfüllt.
    Das Wort „bevor“ ist hier nicht zeitlich zu verstehen, sondern logisch.

    Es ist allein eine Bewegung des Bewußtseins selbst (mit sich selbst), die es in Anbetracht der Gegenstandserkenntnis vollzieht.
    Es ist nicht so, dass das Bewußtsein oder der Geist etwas mit dem Gegenstand machen würde, ihn also aufheben würde oder etwas dergleichen.
    Wenn man so möchte:
    Bei Hegel: die Vernunft, hier: das Bewußtsein/der Geist, ist allein mit sich selbst beschäftigt (nach einer Passage aus der Kritik der reinen Vernunft).

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  3. Zum letzten Kommentar von Charles:
    Sich seiner selbst bewußt werden: da hast du ja ständig eine Beziehung auf etwas, die auf sich/dich selbst gerichtet ist (die sich vermeintlich nicht einholen kann).

    Was objektiviert wird, ist dein Bewußtsein (aus dem du bei Kant „rauskamst“), nicht der vom Bewußtsein erfasste Inhalt.

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  4. Wenn ich mir den letzten Kommentar so ansehe, muss ich sagen: langsam wirds kompliziert.

    Kritisch zu Marx:
    Das Normative ist bei Marx das Bewusstsein.
    Auf einmal müssen alle ein bestimmtes Bewusstsein haben, sei es von den gesellschaftlichen Widersprüchen (z. B. den widerstreitenden Interessen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber), von den Ungleichheiten z. B. im Gender-Bereich (z. B. ungleiche Bezahlung oder/und Rechtsprechung in Bezug auf Frauen und Männer) oder auch von den ökologischen Auswirkungen bestimmter Entscheidungen.
    (Vgl. die vorwurfsvolle Redeweise „Was hast n du für n Bewusstsein?“)
    Dieses Normative, also ein bestimmtes Bewusstsein zu haben, hat in China oder Russland beispielsweise zu Massenerschießungen geführt oder führt heute noch dazu.
    Vgl. Popper Ausspruch zum Paradies auf Erden.

    Zwar hatte Marx unsere kulturelle Welt der (Identitäts-)Bestimmungen nur als eine Art Abbild der wirklichen Welt, nämlich der widersprüchlichen Bewegungen der Materie, gesehen/konzipiert/bestimmt und Wahrheit und ein Wesen (und damit auch das Stramm-Stehen vor der Autorität und dem Be-Folgen derselben) für den kleinen Mann und die kleine Frau damit sozusagen unerreichbar gemacht, aber er führt doch wieder etwas Normatives ein, nämlich die Subjektivität oder das Bewusstsein – etwas, was sich messen lässt und damit eben auch zu Massenerschießungen führen kann.

    Kants Orientierung an der Möglichkeit lässt sich dagegen nicht in der gleichen Weise messen.

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  5. Zum Kommentar von Charles am 02.04.2022 um 12:38 Uhr:
    Es lässt natürlich methodisch gegen Kant einwenden, dass Kants Konzeption selbst auch erst einmal verstanden werden will.

    Außerdem nimmt Kant ja selbst bei der Einführung der Möglichkeitskonzeption Bezug auf das tatsächliche Bewusstsein, nämlich das tatsächliche Bewusstsein der Verbindung von Begriffen oder Vorstellungen, die ja als hinreichende Bedingung der Möglichkeits-Wahrheitskonzeption fungiert: B 133 in der Kritik der reinen Vernunft:
    „Diese Beziehung geschieht also dadurch noch nicht, daß ich jede Vorstellung mit Bewußtsein begleite, sondern daß ich eine zu der andern hinzusetze und mir der Synthesis derselben bewußt bin.“

    Man kann also sagen, dass eine gewisse bewusstseinsmäßige Achtsamkeit hier normativ wird, nämlich die Achtsamkeit auf das, was ich an Vorstellungen, Gedanken, Begriffen, Bildern usw. verbinde.

    So weit liegt damit die Kritik an Marx nicht mehr von der an Kant.

    Zur Möglichkeitskonzeption selbst vgl. etwas weiter auf B 133:
    „[…] die analytische Einheit der Apperzeption ist nur unter der Voraussetzung irgend einer synthetischen möglich.“ [Fußnote]
    Die Fußnote mit dem rot-Beispiel lässt sich mit Bezug auf das Verhältnis von analytischer und synthetischer Einheit auf das Bewusstsein übertragen:
    Z. B.: Die (Begriffs-)Verbindung x kommt nur an/in meinem Bewusstsein vor. Damit sie objektiv ist, muss sie auch an/in anderem Bewusstsein vorkommen können.

    Hier der wichtige Text der Fußnote mit dem rot-Beispiel:
    „Die analytische Einheit des Bewußtseins hängt allen gemeinsamen Begriffen als solchen an; z. B. wenn ich mir rot überhaupt denke, so stelle ich mir dadurch eine Beschaffenheit vor, die (als Merkmal) irgend woran angetroffen, oder mit anderen Vorstellungen verbunden sein kann; also nur vermöge einer vorausgedachten möglichen synthetischen Einheit kann ich mir die analytische vorstellen. Eine Vorstellung, die als verschiedenen gemein gedacht werden soll, wird als zu solchen gehörig angesehen, die außer ihr noch etwas Verschiedenes an sich haben, folglich muss sie in synthetischer Einheit mit anderen (wenn gleich nur möglichen Vorstellungen) vorher gedacht werden, ehe ich die analytische Einheit des Bewußtseins, welche sie zum conceptus communis macht, an ihr denken kann. Und so ist die synthetische Einheit der Apperzeption der höchste Punkt, an dem man allen Verstandesgebrauch, selbst die ganze Logik, und, nach ihr, die Transzendental-Philosophie heften muss, ja dieses Vermögen ist der Verstand selbst.“

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