Kants theoretische Philosophie in vorerst 5 Abschnitten

Urteile/Behauptungen/Aussagen sind Verhältnisse von Begriffen.

Begriffe können, logisch gesehen, wie Mengen aufgefasst werden und Komponenten von Begriffen oder Begriffsinhalte wie Elemente von Mengen, z. B.: der Begriff ‚arm‘ ist eine Komponente/ein Teil des Begriffs ‚Philosoph‘. (Vgl. Kritik der reinen Vernunft (=KrV), B 140: „Einer verbindet die Vorstellung eines gewissen Worts mit einer Sache, der andere mit einer anderen Sache […]“)

Wenn ich sage

‚Philosophen sind arm.‘

dann ist das zunächst meine Meinung. Um die Wahrheit dieser Aussage zu zeigen, brauche ich einen Grund oder eine Prämisse für diese Aussage. Aber dieser Grund oder diese Prämisse braucht dann wiederum einen Grund/eine Prämisse usw.

Einer der beiden Begriffe ist, logisch-wahrheitstheoretisch gesehen, zu erfüllen, hier der Begriff ‚ist arm‘. Der andere fällt in den zu erfüllenden und macht sozusagen den Anfang der Erfüllung, hier: ‚ist ein Philosoph‘.

Da zum Aufweis der Wahrheit immer wieder ein neuer Grund/eine neue Prämisse angegeben werden muss, findet keine Erfüllung des Begriffs ‚ist arm‘ statt.

Dadurch hat der Begriff ‚ist arm‘ auch keine eindeutige Bezugsfunktion/keine Referenz, siehe oben: Mit dem Begriff ‚ist arm‘ können wir uns nicht eindeutig auf einen bestimmten Gegenstandsbereich beziehen.  

Da die Wahrheit der Aussage

‚Philosophen sind arm.‘

abhängt von ihren Prämissen, stehen wir in Bezug auf das Verhältnis von Prämisse und Konklusion bei der Konklusion, die zu ihren Prämissen schreitet und das heißt: zu den weiteren Komponenten/Begriffsinhalten des Begriffs ‚ist arm‘.

Logische Konsequenz liegt vor, wenn man etwas, nämlich eine Konklusion, aus etwas anderem, einer Prämisse, schlussfolgern kann, ohne auf weitere Informationen angewiesen zu sein außer den vorliegenden Prämissen.

Das Problem der Erfüllung der Bedingungen eines Begriffs verhindert logische Konsequenz, da man ja nie bei einem Endpunkt, einer letzten Prämisse oder einem letzten Element/Komponente/Teil einer Menge/eines Begriffs ankommt.

Könnte man sagen, dass eine logische Konsequenz in Bezug auf das Verhältnis bestimmter Prämissen und einer Konklusion vorliegt, dann hätte man sozusagen alle Elemente/Komponenten/Teile/Begriffsinhalte einer Menge/eines Begriffs gefunden und die Wahrheit der Aussage=des Verhältnisses von Begriffen gezeigt.

Der Begriff würde dementsprechend immer, eindeutig und unmissverständlich auf einen Gegenstand Bezug nehmen/referieren.

Kants theoretische Philosophie aus der Kritik der reinen Vernunft, zugänglicher und vereinfacht in Bezug auf das Problem der logischen Konsequenz dargestellt:

1.Du kannst nicht sagen, was logische Konsequenz, bei Kant: die Zeit, ist.

Wie die Zeit kann logische Konsequenz nicht individuiert werden ohne zirkulär zu sein, ist also kein Begriff/hat keine Teile, d. h. logische Konsequenz kann nicht analysiert werden, sondern ist sozusagen unsere Brille des Behauptens oder des etwas als etwas Bestimmens.

Wird z. B. definiert, was logische Konsequenz ist, dann fasst man ja einen Begriff unter einen anderen und wendet damit logische Konsequenz an. Denn eine Menge/ein Begriff soll ja in eine andere fallen bzw. aus einer Menge soll ja eine andere FOLGEN. Für dieses Folgerungsverhältnis müsste allerdings schon logische Konsequenz vorliegen.

2.Kants Urteilstafel ist eine Analyse, eine Auseinander-setzung des Begriffs Urteil oder Aussage.

Zu dem Begriff „Auseinander-setzung“: Wenn ich z. B. Wasser chemisch analysiere, dann zerlege ich es in seine Bestandteile. Ich setze es also auseinander. So ist es auch mit Begriffen und deren Analyse.

Kants Urteilstafel:

                                   1.Quantität der Urteile:

                                        Allgemeine

                                        Besondere

                                        Einzelne

2.Qualität                                                                 3.Relation

Bejahende                                                                 Kategorische

Verneinende                                                              Hypothetische

Unendliche                                                                Disjunktive

                                    4.Modalität

                                    Problematische

                                    Assertorische

                                    Apodiktische

Alle Urteile, die wir jemals treffen, sollen nach Kant in das Muster der Urteilstafel eingeordnet werden können.

Alle Urteile, die wir jemals treffen, sind nach Kant einem oder mehreren Urteilsformen/Begriffen der Urteilstafel gemäß, eben z. B. dem Kategorischen, also z. B. A ist B.

Da Urteile Verhältnisse von Begriffen sind, soll mit der Urteilstafel das Verhältnis ALLER Begriffe zueinander erschöpfend dargestellt werden.

3.Da logische Konsequenz unsere Brille ist, gehen mit den Urteilsformen, also den Auseinander-setzungen Begriffs Urteil in seine begrifflichen Komponenten, also den Begriffen der Urteilstafel, z. B. ist kategorisch, entsprechende Ganzheiten, bei Kant: Synthesis-formen, einher, die Kategorien.

Zur Vereinfachung wurde hier anstelle der Zeit logische Konsequenz gesetzt. Diese Vereinfachung hat jedoch ihre Grenzen, da es, mit Bezug auf Kant, sozusagen keine logische Ästhetik gibt. Im Folgenden also wieder zur Zeit:

Bei Kant stehen die Gedanken zur Zeit im Rahmen einer Ästhetik am Anfang der ersten Kritik. Die Ästhetik – Griechisch: aisthesis, für Wahrnehmung – ist in Kants Darstellung von der Logik getrennt.  

In einem Argument zusammengefasst, sieht Kants Konzeption folgendermaßen aus:

1.Zeit kann nicht individuiert werden, ist also kein Begriff und hat keine Teile.

2.Zeit liegt immer schon als Ganze vor und ist unsere Brille (bei Kant: die Form) der Wahrnehmung.

3.Urteile sind Verbindungen von Begriffen.

4.Das Verbinden von Begriffen ist zeitlich.

5.Das Erfüllen der Bedingungen eines Begriffs zeitlich.

6.Die Zeit kann als Abfolge von Momenten konzipiert werden, wobei ein Moment die Bedingung eines anderen ist. Daraus ergibt sich, wie beim erkenntnistheoretisch-logischen Regress der Bedingungen, eine Bedingungskette.

7.Unsere Wahrnehmung der Gegenstände ist zeitlich.

8.Die Begriffe der Urteilstafel stellen das Verhältnis/das Verbinden aller Begriffe zueinander erschöpfend dar.

Schlussfolgerung: Unsere gesamte Wahrnehmung der Gegenstände funktioniert nach bestimmten Mustern, die von der Urteilstafel vorgegeben werden, das heißt nach den sogenannten Kategorien.     

Mit den Begriffen der Urteilstafel gehen Begriffe der Zusammensetzung unserer gesamten menschlichen Wahrnehmungen einher.

Mit Kant: „[Die Kategorien] sind Begriffe von einem Gegenstande überhaupt, dadurch dessen [Wahrnehmung, bei Kant: Anschauung] in Ansehung einer der l o g i s c h e n  F u n k t i o n e n zu Urteilen als b e s t i m m t angesehen wird. (B 128)

In Bezug auf logische Konsequenz:

Angenommen, wir wollten unsere Wahrnehmungen logisch behandeln, dann erhielten wir das gleiche Resultat:

Unsere Brille der logischen Konsequenz würde erweitert durch eine Begriffs-brille, eine Art logisches Gitter unserer Wahrnehmung. Unsere Wahrnehmung der Gegenstände, logisch betrachtet, müsste sich entsprechend der Kategorien ausgestalten.

Kants Tafel der Kategorien:

                                 1.Der Quantität

                                  Einheit

                                  Vielheit

                                  Allheit

2.Der Qualität                                                 3.Der Relation

Realität                                                     der Inhärenz und Subsistenz (substantia et accidens) (auch

Negation                                                   Kategorie der Substanz, siehe B 129)

Limitation                                                  der Kausalität und Dependenz (Ursache und Wirkung)                                                  

                                                                 der Gemeinschaft (Wechselwirkung zwischen dem

                                                                                           Handelnden und dem Leidenden)

                                4.Modalität

                               Möglichkeit – Unmöglichkeit

                               Dasein – Nichtsein

                               Notwendigkeit – Zufälligkeit

4.Problem in der Deduktion der Kategorien:

Im obigen Argument zur Konzeption der Zeit und der Kategorien wird von unserer Wahrnehmung der Gegenstände geredet.

Allerdings: Wo kommen denn die Gegenstände her?

Es könnte ja genauso gut nur von unserer Wahrnehmung geredet werden.

Denn die Zeit betrifft ja nur unsere Wahrnehmung.

Woher wissen wir also, ob unsere subjektiven Erkenntnisbedingungen, wie z. B. die Kategorien, tatsächlich auf Gegenstände der Wirklichkeit Bezug nehmen?

Wieso sollten die Kategorien also objektiv sein?

KrV, B 122: „[…] wie nämlich subjektive Bedingungen des Denkens sollten objektive Gültigkeit haben […?]“

Siehe B 122-124:

„Denn dass Gegenstände der sinnlichen Anschauung denen im Gemüth a priori liegenden formalen Bedingungen der Sinnlichkeit [=Zeit/hier: logische Konsequenz, CPB] gemäß sein müssen, ist daraus klar, weil sie sonst nicht Gegenstände für uns sein würden; dass sie aber auch überdem den Bedingungen, deren der Verstand zur synthetischen Einheit des Denkens bedarf, gemäß sein müssen [nämlich den Kategorien, CPB], davon ist die Schlussfolge nicht so leicht einzusehen.

[Weil sich im ersten Fall alles so verhalten muss, wie es die logische Konsequenz/Zeit vorgibt, im zweiten Fall aber noch die Falschheit, der Irrtum, dazu kommt und sich damit eben nicht alles automatisch gemäß den Kategorien verhalten muss, vgl. B 350]

Denn es könnten wohl allenfalls Erscheinungen so beschaffen sein, dass der Verstand sie den Bedingungen seiner Einheit gar nicht gemäß fände, und alles so in Verwirrung läge,

dass z. B. in der Reihenfolge der [Gegenstände, CPB (bei Kant hier: Reihenfolge der Erscheinungen)] sich nichts darböte, was eine Regel der Synthesis an die Hand gäbe, und also [der Kategorie, CPB] der Ursache und Wirkung entspräche, so dass dieser Begriff also ganz leer, nichtig und ohne Bedeutung wäre.

[…]

Gedächte man sich von der Mühsamkeit dieser Untersuchungen dadurch loszuwickeln, dass man sagte: die Erfahrung böte unablässig Beispiele einer solchen Regelmäßigkeit der Erscheinungen dar, die genugsam Anlass geben, den Begriff der Ursache davon abzusondern, und dadurch zugleich die objektive Gültigkeit eines solchen Begriffs [hier: der Begriff/Kategorie der Ursache, CPB] zu bewähren; so bemerkt man nicht, dass auf diese Weise der Begriff der Ursache gar nicht entspringen kann, sondern dass er entweder völlig a priori im Verstande müsse gegründet sein, oder als ein bloßes Hirngespinst gänzlich aufgegeben werden müsse.

Denn dieser Begriff erfordert durchaus, dass etwas, A, von der Art sei, dass ein anderes, B, daraus n o t h w e n d i g [unabänderlich, unveränderlich oder immer, CPB] und nach einer [unabänderlichen, CPB (bei Kant: eine schlechthin allgemeine)] Regel folge.

Erscheinungen geben gar wohl Fälle an die Hand, aus denen eine Regel möglich ist, nach der etwas gewöhnlicher Maßen geschieht, aber niemals, dass der Erfolg n o t h w e n d i g [also unabänderlich/unveränderlich oder immer so, CPB] sei:

daher der Synthesis der Ursache und Wirkung auch eine Dignität anhängt, die man gar nicht empirisch ausdrücken kann, nämlich dass die Wirkung nicht bloß zu der Ursache hinzu komme, sondern d u r c h dieselbe gesetzt sei, und a u s ihr erfolge. Die strenge Allgemeinheit der Regel ist auch gar keine Eigenschaft empirischer Regeln […]“

5.Antwort: 

Wie im Fall der Zeit/der logischen Konsequenz:

Du kannst nicht sagen, was dein Bewusstsein ist (ähnlich Spinoza, siehe meinen Blog-Beitrag zu Spinoza).

Du kannst deinen Zugang zu den Dingen/Gegenständen/Denkinhalten, nämlich dein Bewusstsein, nicht individuieren ohne zirkulär zu sein, weil dein Bewusstsein ja immer schon dabei ist und jegliche gedankliche Tätigkeit begleitet (=reine Apperzeption (= Form des Bewusstseins)).

Zum Beispiel:

(i) Du sagst z. B., dass jeder Denkinhalt in einem Bewusstsein sein muss oder in einem Bewusstsein ist.

Und was ist mit (i) selbst?

(i) muss doch auch gedacht werden, ist also auch Denkinhalt eines Bewusstseins.

Daher sagst du (ii): Alle Denkinhalte müssen in einem Bewusstsein sein oder sind in einem solchen, ebenso Denkinhalt (i).

Aber (ii) ist ja selbst auch wieder Denkinhalt

Daher sagst du (iii): Alle Denkinhalte müssen in einem Bewusstsein sein oder sind in einem solchen, ebenso der selbstbezügliche Denkinhalt (ii).

Usw.

Wenn du etwas über ALLE Denkinhalte sagen willst und dein Bewusstsein damit individuieren willst, es also seinen Grenzen nach vermessen möchtest, dann bleibt immer mindestens ein Denkinhalt übrig, von dem du immer wieder sagen musst, dass auch dieser Denkinhalt in einem Bewusstsein sein muss/in einem Bewusstsein ist.

Das heißt, du kannst dein Bewusstsein nie vollständig vermessen und damit kannst du nicht sagen, was dein Bewusstsein ist.  

Das heißt, du kommst nie umhin um dein Bewusstsein.

Du kannst dein Bewusstsein nie explizit machen oder gedanklich einholen=individuieren.

Dein Bewusstsein ist sozusagen immer schon vor dem Satz da, nämlich, bei Kant, als FORM dessen, was Inhalt/Denkinhalt des Bewusstseins ist.

(Bei Hegel: Überwindung der Form, siehe Phänomenologie des Geistes, Abschnitt: Das absolute Wissen)

Wenn du dein Bewusstsein nicht individuieren kannst, dann hat dein Bewusstsein keine Teile und muss daher, logisch gesehen, als ganz oder vollständig gelten.

Es bildet damit einen notwendigen Zusammenhang von (Denk-)Inhalten = „ursprünglich-synthetische Einheit der Apperzeption“ (§ 16 der Deduktion).

Vgl. B 103: „Die Synthesis überhaupt ist […] die Wirkung der Einbildungskraft, einer blinden, obgleich unentbehrlichen Funktion der Seele, ohne die wir überall gar keine Erkenntnis haben würden, der wir uns aber selten nur einmal bewusst sind. […] allgemeine Logik nicht leisten kann.“ 

Allerdings ist dieses Ganze immer an (Denk-)Inhalte gebunden.

Vgl. § 17 der Deduktion:

„Der oberste Grundsatz der Möglichkeit aller Anschauung in Beziehung auf die Sinnlichkeit [=der passiven Seite der kantischen Erkenntnistheorie) war laut der transzendentaler Ästhetik: daß alles Mannigfaltige derselben unter den formalen Bedingungen des Raums und der Zeit stehen. Der oberste Grundsatz eben derselben in Beziehung auf den Verstand [=der aktiven Seite der kantischen Erkenntnistheorie] ist: daß alles Mannigfaltige der Anschauung unter Bedingungen der ursprünglich-synthetischen Einheit der Apperzeption stehe.“

Jetzt können wir etwas über ALLE Denkinhalte sagen:

Das Ganze meiner Denkinhalte oder der notwendige Zusammenhang meiner Denkinhalte ist immer schon da. Das bedeutet, mein Bewusstsein ist immer schon Realität.

Für wen? – Für mich.

Mein Bewusstsein ist mir also immer schon jederzeit als Ganzes zugänglich und ich brauche es nicht zu individuieren oder seinem Umfang nach, d. h. seiner Denkinhalte nach, zu bestimmen.

Ich kann also jederzeit ALLE meine Denkinhalte bestimmen.

Anders formuliert: Die Möglichkeit muss immer realisiert sein, dass ich ALLE meine Denkinhalte bestimme.

Alle Denkinhalte liegen demnach in der Möglichkeit vor, und zwar in der Möglichkeit meiner Bestimmung (=ihrer Bestimmung durch mich).

Die These von der Transparenz des eigenen Mentalen wandelt sich damit in die Möglichkeit der Transparenz des eigenen Mentalen. In Rechtfertigungsbegriffen: ein sog. infinite mind, der alle Begründungen durchgeht, wird in die Möglichkeit verlegt. 

Vgl. B131-132: „Das: Ich d e n k e [im Sinne des „Ich denke dies und das, also z. B. Ich denke, dass Philosophen arm sind] muss alle meine Vorstellungen begleiten k ö n n e n; denn sonst würde etwas in mir vorgestellt werden, was gar nicht gedacht [=bestimmt] werden könnte, welches eben so viel heißt, als die Vorstellung würde entweder unmöglich, oder wenigstens für mich nichts sein.“

B 132-133: „Denn die mannigfaltigen Vorstellungen, die in einer gewissen Anschauung gegeben werden, würden nicht insgesamt meine Vorstellungen sein, wenn sie nicht insgesamt zu einem Selbstbewußtsein gehöreten, d.i. als meine Vorstellungen (ob ich mich ihrer gleich nicht als solcher bewußt bin) müssen sie doch der Bedingung notwendig gemäß sein, unter der sie allein IN EINEM allgemeinen Selbstbewußtsein zusammenstehen können, weil sie sonst nicht durchgängig mir angehören würden.“ (meine Hervorhebung, Betonung auf „in einem“)

Vgl. auch B 517: „Mögliche Erfahrung [mögliche Erfüllung der Bedingungen/possible fulfillment, also ein mögliches Urteil] ist das, was unseren Begriffen allein Realität geben kann; ohne das ist aller Begriff nur Idee, ohne Wahrheit und Beziehung auf einen Gegenstand.“

Vgl. auch das Wachs-Beispiel mit Bezug auf Hume auf B 794: „Dagegen haben wir […] bestimmt erkennen könnte.“ Dort: „Wenn also vorher festgewesenes Wachs schmilzt, so KANN ich a priori erkennen, dass etwas vorausgegangen sein müsse (z. B. Sonnenwärme), worauf dieses nach einem beständigen Gesetze gefolgt ist, ob ich zwar ohne Erfahrung aus der Wirkung weder die Ursache, noch aus der Ursache die Wirkung a priori und ohne Belehrung der Erfahrung b e s t i m m t erkennen könnte:“ (meine Hervorhebung von „kann“)

„[…] [D]as Herausgehen aus dem Begriffe eines Dinges auf mögliche Erfahrung (welches a priori geschieht und die objektive Realität desselben ausmacht) verwechselte er mit der Synthesis der Gegenstände wirklicher Erfahrung, welche freilich jederzeit empirisch ist […]

Der notwendige Zusammenhang der Denkinhalte im Bewusstsein muss sich, als notwendiger Zusammenhang, selbst enthalten.

Dies ist dann das Selbstbewusstsein = Identität der Apperzeption/Identität des Subjekts.

(Hier setzt Hegels Kritik an, vgl. zu Anfang des oben genannten Abschnitts der Phänomenologie  die Verwendung von „Gestaltungen“: das Bewusstsein bildet ja durch den notwendigen Zusammenhang seiner Denkinhalte seine eigene Wirklichkeit.

Wenn sich das Bewusstsein selbst enthält, dann ist das Bewusstsein, logisch gesehen (nämlich als am Ende des Selbst-Enthaltens stehend) selbst schon Teil der Realität. Oder: das Bewusstsein wirkt immer schon in der Welt. Das Ganze ist schon da: das immer nur einen kleinen perspektivischen Ausschnitt der ganzen Welt erfassende, der Realität hinterher rennende Bewusstsein wird damit selbst Welt. Vgl.: „Es MUSS sich ebenso zu dem Gegenstande nach der Totalität seiner Bestimmungen VERHALTEN und ihn nach jeder derselben so ERFASST HABEN.“)

Das Sich-Selbst-Enthalten-Müssen des Bewusstseins, wodurch die Bestimmung aller meiner Denkinhalte möglich wird (synthetische Apperzeption geht vor analytischer Apperzeption, B 133-134), bildet die normative Vorgabe für den folgenden Satz auf B 133:

„Diese Beziehung [=die Identität des Bewusstseins] geschieht also dadurch noch nicht, daß ich jede Vorstellung mit Bewußtsein begleite, sondern daß ich eine zu der andern hinzusetze und mir der Synthesis derselben bewußt bin.“

Erst das Bewusstsein der Verbindung schafft demnach die Identität des Bewusstseins und damit die Möglichkeit, alle meine Bewusstseinsinhalte zu bestimmen, d. h. den notwendigen Zusammenhang seiner Bewusstseinsinhalte eben in dieser Möglichkeit der Bestimmung durch mich.

(Sicher kann man aber auch diese Passage („[…] sondern daß ch eine zu der andern hinzusetze und mir der Synthesis derselben bewußt bin.“) so lesen, dass das Bewusstsein der Verbindung/der Synthesis schon erfüllt ist.)

Vgl. B 133: „Nämlich diese durchgängige Identität der Apperzeption, eines in der Anschauung gegebenen Mannigfaltigen, enthält eine Synthesis der Vorstellungen, und ist nur durch das Bewußtsein dieser Synthesis möglich. Denn das empirische Bewußtsein, welches verschiedene Vorstellungen begleitet, ist an sich zerstreut und ohne Beziehung auf die Identität des Subjekts.

Diese Beziehung geschieht also dadurch noch nicht, daß ich jede Vorstellung mit Bewußtsein begleite, sondern daß ich eine zu der andern hinzusetze und mir der Synthesis derselben bewußt bin.

Also nur dadurch, daß ich ein Mannigfaltiges gegebener Vorstellungen in einem Bewußtsein verbinden kann, ist es möglich, daß ich mir die Identität des Bewußtseins in diesen Vorstellungen selbst vorstelle, d.i. die analytische Einheit der Apperzeption ist nur unter der Voraussetzung irgend einer synthetischen [=Bewusstsein enthält sich selbst/Selbstbewusstsein] möglich.“

Die Frage, ob wir von Gegenständen unserer Wahrnehmung sprechen können und ob die Kategorien als Muster unserer Wahrnehmung überhaupt greifen, objektiv sind und sich dementsprechend auf Gegenstände in der Welt beziehen oder ob z. B. der Begriff der Ursache „nicht etwa gar leer sei“ (B 122), ist damit entschieden:

Denn wenn ich sage „Die Körper sind schwer.“ dann gebe ich zu verstehen, dass ich meine Aussage „Die Körper sind schwer“ als wahr verstanden haben möchte bzw. dass sich die Objekte, hier die Körper, also tatsächlich so verhalten, also schwer sind.

Da die Wahrnehmungen oder Denkinhalte einen notwendigen Zusammenhang im Bewusstsein bilden, also alle Bedingungen umfassen, bildet dieser notwendige Zusammenhang im Bewusstsein den Grund für die Wahrheit bzw. für die Objektivität des Urteils (=dass sich die Objekte tatsächlich so verhalten, wie die Aussage angibt).   

Siehe B 141-142: „Wenn ich aber die Beziehung gegebener Erkenntnisse in jedem Urteile genauer untersuche, und sie, als dem Verstande ungehörige, von dem Verhältnisse nach Gesetzen der reproduktiven Einbildungskraft (welches nur subjektive Gültigkeit hat) unterscheide, so finde ich, daß ein Urteil nichts andres sei, als die Art, gegebene Erkenntnisse zur objektiven Einheit der Apperzeption zu bringen. Darauf zielt das Verhältniswörtchen ist in denselben, um die objektive Einheit gegebener Vorstellungen von der subjektiven zu unterscheiden. Denn dieses bezeichnet die Beziehung derselben auf die ursprüngliche Apperzeption und die notwendige Einheit derselben, wenn gleich das Urteil selbst empirisch, mithin zufällig ist, z. B. die Körper sind schwer. Damit ich zwar nicht sagen will, diese Vorstellungen gehören in der empirischen Anschauung notwendig zu einander, sondern sie gehören vermöge der notwendigen Einheit der Apperzeption in der Synthesis der Anschauungen zu einander, d.i. nach Prinzipien der objektiven Bestimmung aller Vorstellungen, so fern daraus Erkenntnis werden kann, welche Prinzipien alle aus dem Grundsatze der transzendentalen Einheit der Apperzeption abgeleitet sind. Dadurch allein wird aus diesem Verhältnisse ein Urteil, d.i. ein Verhältnis, das objektiv gültig ist, und sich von dem Verhältnisse eben derselben Vorstellungen, worin bloß subjektive Gültigkeit wäre, z. B. nach Gesetzen der Assoziation, hinreichend unterscheidet. Nach den letzteren würde ich nur sagen können: Wenn ich einen Körper trage, so fühle ich einen Druck der Schwere; aber nicht: er, der Körper, ist schwer; welches so viel sagen will, als, diese beide Vorstellungen sind im Objekt, d. i. ohne Unterschied des Zustandes des Subjekts, verbunden, und nicht bloß in der Wahrnehmung (so oft sie auch wiederholt sein mag) beisammen.“

Durch den Job sind alle Inhalte nur äußerlich.

Man glaubt, dass eine Bestimmung des Philosophischen oder eine Bestimmung philosophischer Gedanken nur im professionellen Kontext möglich ist. – Alle philosophischen Gedanken liegen in der Möglichkeit vor, und zwar in der Möglichkeit ihrer Bestimmung durch den Experten (dagegen dann Sokrates/Marx).

Du kannst nicht definieren!!, was Erwerbsarbeit ist. Denn das tun ja Experten/das ist Expertensache. Und Experte-Sein, das kann wiederum nur definiert!!! werden (definieren können immer nur Experten nach dieser Auffassung) durch Experten unter Erwerbsarbeitsbedingungen.

Also kann ein Experte wie ein professioneller Philosoph gar nicht definieren oder sagen/individuieren, was professionelles Philosophieren/Erwerbsarbeit ist (da er seine eigenen Bedingungen nicht einholen kann).

Alle philosophischen Gedanken liegen in der Möglichkeit vor, und zwar in der Möglichkeit ihrer Bestimmung durch den Experten in seiner Erwerbsarbeit als professioneller Philosoph.

Alle Bedingungen/die Wahrheit/die Identität der Sache gibt es nur in der möglichen Bestimmung durch den Experten, im möglichen Urteil des Experten/des Erwerbsarbeitsträger.

Nicht die tatsächliche Ausübung der Erwerbsarbeit bringt die ersehnte philosophische Klarheit, sondern nur die mögliche Ausübung.

Die mögliche Ausübung der Erwerbsarbeit, nicht die tatsächliche.

Ein freiwilliges Bedingungsloses Grundeinkommen kann zur möglichen Ausübung der Erwerbsarbeit beitragen.

Die Bestimmung/das Urteil/die Behauptung ist bei der job-Logik verbunden mit einer erwerbsmäßigen job-position, allerdings nur die Autorität der Bestimmung (nur das Halten-für), nicht deren Wahrheit (nicht das Sein). Hängt das mit den sogenannten Rollen zusammen? Dann sind wir aber wirklich arm dann. Denn dann verhindert der professionelle Kontext ja gerade die Wahrheit, nach der er strebt.

-Naja, du brauchst halt immer wieder Probleme, um Geld zu verdienen.

-Um deinen Lebensunterhalt/deinen Existenzunterhalt zu bestreiten. Ein freiwilliges Bedingungsloses Grundeinkommen könnte da für Entlastung sorgen. Und damit eine Problemorientierung ad acta legen.

Man sagt auch: das hat er doch gar nicht so gemeint/gemacht. Das ist doch nur seine Arbeit.

Die Vergasung der Juden z. B., das war doch nur deren Arbeit damals, sagt man.

Reg dich nicht so auf, das ist doch nur Arbeit, sagt man.

Die Unwirklichkeit der Arbeit. / Adorno.

Hat Kant mit der Verwendung von „unsere“ nicht seine eigene Regel verletzt?

Was bezeichnet „unsere“?, dagegen dann: Simone De Beauvoir?

Mit Bezug auf meinen Text „An imaginary E-Mail to Chris Cunningham – the situation of my mother and me” sollten die Maßnahmen beendet sein.

With regard to my text „An imaginary E-Mail to Chris Cunningham – the situation of my mother and me” the measures should have ended.

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